
Es
kommt halt auf den richtigen Blickwinkel an! Der neue Kriminalroman von Ilona Mayer-Zach heißt nicht nur
Schärfentiefe, er besitzt auch solche.
Mit viel Liebe zum Detail gelingt es der Autorin den Roman von Seite zu Seite
hintergründiger zu gestalten. Was als harmloser Auftrag beginnt, wird schon bald
zu einem immer abgründigerem Erlebnis, welches deutlich zeigt: Es ist nicht
immer alles Gold was glänzt.
Die Autorin gibt scheinbaren Nebensächlichkeiten einen hohen Stellenwert, spielt
mit der Geltungssucht der Charaktere und verknüpft so die literarische Handlung
mit den Gefühlen der Leser. Allzu menschlich erscheinen die Charaktere, fast
könnten sie einem bekannt sein. Stärken und Schwächen sind gekonnt miteinander
verbunden. Die Helden des Romans scheinen zu leben. Sie interessieren sich für
Erfolg, benötigen Ansehen und Wertschätzung und machen dabei doch so herrlich
natürliche Fehler. Kriminelle Energie gesellt sich zu menschlichem Verständnis.
Die einzelnen Roman-Charaktere sind selbstkritisch, teil geheimnisvoll, teils
durchaus naiv. Gerade aus dieser Mischung hat Ilona Mayer-Zach einen Krimi
verfasst, der mitreißt. Seite um Seite wird der Leser in den Roman
hineingezogen, steigt die Spannung und eröffnet neue Sichtweisen. Motive werden
konstruiert, die vorher undenkbar schienen. Personen entwickeln sich in eine
völlig andere Richtung als zu Beginn des Romans. Dabei ist die komplette
Handlung wirklich logisch und sinnvoll aufgebaut. Der Roman wirkt zu keiner Zeit
konstruiert, sondern immer dynamisch und gefühlvoll. Ein Roman zwischen Spannung
und Humor, der von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.
Zur Handlung:
Tiefgründig, mitunter bitter, aber auch mit einer gehörigen Portion Humor dreht
sich dieser Kriminalroman um die Diskrepanz zwischen Sein und Schein: Ein
Starfotograf wird aus der Donau gefischt. Tod durch Ertrinken steht in den
Polizeiakten, kein Hinweis auf Fremdverschulden. Damit wäre die Sache eigentlich
erledigt. Wenn da nicht Paula Ender wäre, Anfang 30, mit dem Hang, ihre Nase
ständig in Dinge zu stecken, die sie nichts angehen. Sie erhält den Auftrag, die
Biografie des Verunglückten zu schreiben, beginnt zu recherchieren und taucht
bald, tiefer als ihr lieb ist, in das Leben des charismatischen Künstlers ein.
Ihre Nachforschungen bringen dunkle Facetten seines Charakters ans Tageslicht,
die so gar nicht zu dem positiven öffentlichen Bild passen wollen. Zudem trifft
Paula auf immer mehr Personen, die gute Gründe hatten, ihn zu beseitigen …
Über die Autorin
Ilona Mayer-Zach, geboren 1963 in Graz, Studium der Publizistik- und
Kommunikationswissenschaft, war u.a. für verschiedene
Medien als (Gerichts-)Journalistin tätig. 2005 gründete sie „Textwerk IMNetzwerk“ und ist seitdem hauptberuflich als Autorin tätig. 2006
erschien der Krimi-Doppelpack „Schweigerecht/Quadrille“. „Schärfentiefe“
ist ein weiterer Kriminalroman mit der umtriebigen Paula Ender.
Ilona Mayer-Zach lebt mit ihrer Familie in Wien.
www.imnetzwerk.at
Schärfentiefe (Broschiert)
von Ilona Mayer-Zach (Autor)
Broschiert: 254 Seiten
Verlag: Echomedia Verlag Gmbh (Oktober 2008)
ISBN-10: 390176190X
ISBN-13: 978-3901761904
Preis: EUR 9,90
Hier können Sie direkt online kaufen:
Schärfentiefe
Erschienen ist der Roman hier:
echo medienhaus ges.m.b.h.
Schottenfeldgasse 24
1070 Wien
Österreich
E-Mail: office@echo.at
Internet: www.echo.at
Leseprobe:
„Hast du das schon gelesen?“ Ada Klamm kam mit der Montagszeitung ins
Büro von Karl Santo, ihrem Chef in der
PR-Agentur, und legte diese aufgeschlagen auf seinen Schreibtisch.
In der Nacht auf Sonntag wurde beim Flusskraftwerk Freudenau die Leiche eines
Mannes geborgen. Bei dem Verunglückten
handelt es sich, laut Auskunft der Polizei, um Stefan Urban (69), den
international anerkannten Fotografen
und Professor am Institut für künstlerische Fotografie in Wien. Es wurden keine
Anzeichen von Fremdeinwirkung festgestellt.
„Interessant. Das ist doch der Fotograf …“, hob Santo an.
„… für den wir im Rahmen des internationalen EDV-Kongresses
eine Fotoausstellung im MuseumsQuartier ausrichten sollen“, fuhr Ada beflissen
fort. „Ich sage nur 400 geladene Gäste, ein Riesenbudget …“, wobei sie das „i“
von Riesenbudget
extrem in die Länge zog. „Was meinst du, werden sie uns jetzt den Auftrag
stornieren?“
Santo zupfte ein Haar von seinem maßgeschneiderten Dreiteiler.
Heute trug er einen dunkelgrauen mit rosa Hemd und rosa Krawatte. Alles vom
Feinsten. Er hatte von seinen italienischen
Vorfahren nicht nur das Aussehen geerbt, sondern wohl auch den ausgesprochen
guten Geschmack bei der Wahl seiner Kleidung.
Er rollte das Haar zwischen seinen Fingern und betrachtete es nachdenklich.
Ada sah ihm dabei mit hochgezogenen Augenbrauen über die Ränder ihrer
viereckigen Brille hinweg zu.
„So wie ich das sehe, werden wir dem ehrwürdigen Herrn posthum eine Ehrung
zuteil werden lassen. Mehr noch, wir werden die zuständigen Sponsoren, allen
voran unseren Hauptsponsor Comm4Syst, überzeugen, dass wir unbedingt noch eine
Biografie schreiben müssen, sozusagen einen Nachruf
auf den international anerkannten Fotografen mit Wiener Wurzeln. Wenn der werte
Gefeierte schon nicht persönlich an der Präsentation seiner Ausstellung
teilnehmen kann, weil er aufgrund eines tödlichen Unfalls verhindert ist, sollte
er zumindest
in Buchform anwesend sein. Ich werde das gleich mit den zuständigen Herren
besprechen.“
Er ließ das Haar fallen.
„Sonst noch etwas?“
Ada blieb kurz der Mund offen stehen. Dann rückte sie ihre Brille zurecht,
räusperte sich, raffte die Zeitung zusammen und ging in Richtung Tür.
„Dann werde ich mal sehen, wen von unseren Leuten ich auf die Biografie ansetzen
werde. Im Moment sind alle voll im Einsatz.“
Daran zu zweifeln, dass Santo seine Vorstellung nicht durchsetzen
könnte, hatte sie sich in dem einen Jahr, das sie mittlerweile
in der Agentur arbeitete, abgewöhnt.
„Ruf mal bei Paula an. Der fällt sicher schon die Decke auf den Kopf!“, schlug
er vor.
Ada blieb stehen und sah ihn zweifelnd an: „Paula Ender? Aber die macht doch
diese Schreibseminare.“
Karl Santo, der mittlerweile die Hände vor der Brust gefaltet hatte, sah sie mit
seinen dunklen Augen bohrend an.
„Natürlich meine ich diese Paula. Die wird sich sicher freuen, wenn sie endlich
wieder was Ordentliches zu tun bekommt.“
„Okay, ich ruf sie gleich an“, sagte Ada und verließ rasch das Zimmer.
Widerstand war zwecklos, wenn Santo sich etwas einbildete. Die beste Strategie
war Augen zu und durch....